Taifun 17II
      Besucher Statistik:  Online 1 » Heute 18 »  Gestern 65 »  Woche 316 »  Monat 774  » Jahr 2495 »  Gesamt 22089 /   Rekord: 210 (26.11.2015)   /  Kostenloser PHP Counter

Erstes Technisches Taifuntreffen in KASSEL-CALDEN (EDVK) 24. bis 26. Juni 2011

von Arne-Krister Turlach

Bildershow vom Taifuntreffen

bild

bild
Die Taifuns's in Reih und Glied
Bei dem sehr erfolgreichen Taifuntreffen in Koblenz 2010 wurde vielfach von den Teilnehmern der Wunsch geäußert, ein Treffen zu veranstalten, bei dem die technischen Aspekte der Valentin Taifun und deren Wartung beziehungsweise Instandhaltung im Mittelpunkt stehen sollten.
Auf Anregung von Hans Haas wurde schnell ein passender Ort gefunden: der Verkehrslandeplatz Kassel-Calden (EDVK), zentral in Deutschland gelegen. Da der Flugplatzbetreiber in EDVK der Idee eines Treffens äußerst positiv gegenüber eingestellt war, galt es in Folgezeit, das Programm des Ersten Technischen Taifuntreffens mit Leben zu füllen. Diese Aufgabe wurde Urte Fürst und Arne-Krister Turlach zu Teil – eine übrigens nicht ganz unverfängliche aber trotzdem interessante und freudebringende Aufgabe.
Gemäß des typischen Taifuntreffendreiklangs:
  • Freitag Anreise
  • Samstag Programm
  • Sonntag Abreise
ging es in die Feinplanung, wobei der Freitag als Anreisetag und der Sonntag als Abreisetag gestalterisch das kleinere Problem waren. Nachdem sich im Vorfeld siebzehn Taifun Elaborate fest angemeldet hatten, einige Taifunfreunde zudem Ihr Kommen per Kraftfahrzeug zugesagt hatten, war die einzige Unbekannte wie so oft das Wetter. Um es vorwegzunehmen, dieses Jahr war Petrus kein Taifunfreund!
Am Freitagmittag stand jedoch bereits die erste Taifun auf dem Vorfeld in EDVK – nochmals herzlichen Glückwunsch an Helmut Gross, der somit das Treffen in KASSEL-CALDEN eingeläutet hat. Am Abend kamen dann noch vier weitere Valentin Taifun dazu, so daß in kleiner geselliger Runde im Bistro der Kasseler Fallschirmspringer der Abend verbracht werden konnte.
bild
bild
Ein herrlicher Sonnenuntergang
bild
bild
Der Vortrag beginnt
Leider wurde das Wetter am Samstag nicht signifikant besser, jedoch flogen noch zwei weitere Valentin Taifun ein. Am Samstag standen dann somit kurzzeitig neun Taifun Motorsegler in Kassel; dazu noch die vielen Kraftfahrzeuge der „Fußgänger“ vor dem Terminal!
Gegen 10 Uhr 30 konnten wir dann – mit einiger Verspätung – nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in den Ablauf des Treffens das umfangreiche Programm beginnen.
Der erste Programmpunkt der kleinen Vortragsreihe war dem Thema „Kassel Calden, ein neuer Flugplatz entsteht“ gewidmet. Bernd Brodkorb aus Kassel berichtete kurz über die Geschichte der Fliegerei in Kassel und vornehmlich über den Ausbau des Verkehrslandeplatzes. Hier entsteht bis 2013 ein komplett neuer Flugplatz auf der grünen Wiese, vermutlich der letzte Neubau eines Flugplatzes in dieser Form in Deutschland in den nächsten Jahren. Einen Einblick in die Planung und Verwirklichung eines derartigen Projektes zu erhalten war äußerst interessant und aufschlußreich.
bild
bild
Bericht über den neuen Flugplatz Kassel-Calden
bild
bild
wissenschaftlicher Vortrag von Jan Schwochow aus Göttingen
Danach wurde es wissenschaftlich: Jan Schwochow aus Göttingen trug über „Flatterberechnungen an Segelflugzeugen“ vor. Die Aeroelastik untersucht die Wechselwirkung zwischen einem elastischen Körper und seiner Umströmung. Dabei haben Auslenkungen, Bewegungen, stationäre sowie instationäre Luftkräfte, Flugzustand und Steuerausschläge einen nicht zu vernachlässigen Einfluß auf die Flugzeugstruktur. Der negative Aspekt dieser Einflüsse ist das sogenannte Flattern, die ungedämpfte Schwingung eines Flugzeuges. Neben einer theoretischen Einführung in die Grundlagen, wurde darüber berichtet, wie konkrete Messungen an Flugzeugen durchgeführt werden, um im Anschluß daran eine Flatterberechnung für den jeweiligen Flugzeugtyp zu erstellen. Eine derartige Flatterrechnung wurde für den Motorsegler Taifun in den achtziger Jahren beim DLR in Göttingen durchgeführt; die Ergebnisse sind Bestandteil des Flug- und Betriebshandbuches sowie des Wartungshandbuches. So wies Jan Schwochow darauf hin, daß die Ruderrestmomente in gewissen zeitlichen Abständen – vor allem nach Reparaturen oder Lackierungen – kontrolliert werden sollten, das Anbringen von Außenlasten (Kameras oder Winglets) problematisch sein kann oder bei Flügen in großen Höhen die Abweichung des Fahrmessers mit zunehmender Höhe beachtet werden sollte. Ein Blick ins Flug- und Betriebshandbuch oder Wartungshandbuch diesbezüglich ist anzuraten, um Flattervorkommnisse zu vermeiden. Beeindruckend waren dabei auch die Filmsequenzen, die Flatterfälle aus der Praxis aufzeigten.
Was man mit der Valentin Taifun außer ausgiebigen Reise- und Segelflügen noch so alles machen kann, wurde durch Hans Haas in seinen Vortrag „Reihenluftbildaufnahmen mit der Valentin Taifun“ aufgezeigt. Neben Fotoflügen nutzt er seine E II für Reihenluftbildaufnahmen. Die Detailauflösung dieser Aufnahmen liegt bei cirka 10cm bei einer Aufnahmehöhe von 400m über Grund. Die Standardvergrößerung der einzelnen Aufnahmen beträgt ca. 25 x 35cm, so daß schon bei der Betrachtung mit bloßem Auge Details gut erkannt werden können. Der Abbildungmaßstab beträgt bei diesen Vergrößerungen annähernd 1:1000. Die Ermittlung von Strecken und Flächen ist somit leicht möglich. Mit einem entsprechenden Auswertegerät kann eine räumliche Betrachtung und Beurteilung durchgeführt werden. So können Höhen von Häusern, Bäumen, usw. bestimmt werden, was ein weites Nutzungsspektrum implementiert.
bild
bild
Hans Haas bei seinem Vortrag Reihenluftbildaufnahmen
bild
bild
Einführung in die CAMO
Mit Einführung der Continuing Airworthiness Management Organisation - kurz CAMO - haben sich in Betrieb und Wartung viele Neuerungen ergeben. Licht in diese dunkle Materie brachte Helmut Gross mit seinem Vortrag zum Thema: „ Wissenswertes beim Betrieb und Wartung der Valentin Taifun“. Eingegangen wurde zunächst auf die Durchführung von Wartungen und den damit verbunden Freigabebescheinigungen. Auch der neue Schwerpunkt, den Prüfunterlagen, Formulare, LTA–TM Übersichten, die Führung der Lebenslaufakte bis hin zum ARC selbst in der CAMO einnehmen, wurde beleuchtet. Helmut wies darauf hin, daß auch Bordinstrumente an sich einer regelmäßigen Prüfung unterzogen werden sollten, wie auch die Kompaßkompensierung oder eine Statikprüfung jährlich von Nöten sind. Ferner wurde die Problematik der E-10 bzw. Otto Super Plus Kraftstoffe (Stichwort Klopffestigkeit) bei den Limbach und Sauermotoren erörtert. Hierbei stand zudem die Motorenölauswahlfrage zur Diskussion. Neu für viele war die Umstellung auf 8,33 kHz-Raster anstatt der 25 kHz-Raster im Flugfunk bis 2018 bzw. die Einführung eines neuen Instandhaltungsprogramms bis 2013. Der angekündigte und von vielen Teilnehmern mit Spannung erwartete Vortrag zum Thema „Neue Instandhaltungsprogramme“ von Alexander Glauser mußte leider ausfallen, da der Referent kurzfristig verhindert war.
Ein wichtiges Thema ist die Taifunhomepage www.powerglidertaifun.de. Sie ist nicht nur Kontaktplattform der Taifungemeinde, sondern erfüllt noch weitergehende Aufgaben. Über diese berichtete Manfred Graben in seinem Vortrag „Die Taifun Homepage – Was gibt es Neues, was ist für die Zukunft geplant“ sehr ausführlich. Neben Hinweisen auf aktuelle Treffen und Ereignisse, Fotos, Reiseberichte mit lohnenswerten Reisezielen sowie Berichten aus der Taifungemeinde sollen zukünftig auch technische Aspekte stärker dargestellt werden. Zur Diskussion wurde gestellt, eine Kommission aus Vertretern der Firmen Korff + Limbach + MT und den Taifuneigentümern zu bilden, welche alle Fragen und Maßnahmen einer zukunftssicheren Ersatzteilbereitstellung sowie Wartung bespricht, festlegt und darüber informiert. Dabei wies Manfred eindringlich darauf hin, daß alle Taifunfreunde eingeladen sind, an der Homepage mitzuarbeiten, um sich über diesen Weg in die Taifungemeinschaft einzubringen. Nur so können regelmäßig neue Inhalte veröffentlicht werden, was für die Zukunft der Taifun wichtig ist!
bild
bild
Manfred Garben erklärt wie wichtig die Homepage ist
bild
bild
Henk Dumomont über seine Reisen mit der Taifun
Daß die Valentin Taifun der beste Motorsegler der Welt ist, daraus macht Henk Dumont kein Geheimnis. Über seine vielen Luftreisen innerhalb Europas haben wir auf dieser Homepage schon viel lesen können. Im Jahr 2010 führte Henk aber eine Reise durch, die ihres Gleichen sucht und über die er in seiner Präsentation „Mein Flug nach Israel“ berichtete. Dabei wurde nicht nur über den Flug an sich berichtet, sondern auch über die Vorbereitungen, die Durchführung und Nachbereitung eines derartigen Vorhabens. Wer hier nicht sauber plant, erleidet Schiffbruch. Besonders die sicherheitstechnischen Aspekte, wie Kraftstoffversorgung, lange Flüge über Meer oder Flugzeugvorbereitung waren für viele Zuhörer Neuland. Dazu kamen noch die landesspezifischen Gegebenheiten, welche beachtet werden müssen. Der Vortrag wurde zudem mit eindrucksvollen Bildern untermalt. Eine CD-ROM mit der Präsentation ist über Leo oder Henk gegen einen kleinen Unkostenbeitrag zu beziehen!
bild
bild
nach der Theorie erfolgt die Praxis
Nach den eher theoretischen Vorträgen, wurde es zum Ende dann wieder recht praktisch. Die Musterbetreuerin Cornelia Korff führte im Hangar an der D-KKGG eine „Technische Fragestunde am Flugzeug“ durch. Manfred und Urs nochmals herzlichen Dank für die Bereitstellung Ihres Flugzeuges für diesen Programmpunkt. Mit sehr viel Liebe zum Detail und dem entsprechenden Fachwissen wurden Tipps, Tricks und Probleme der Valentin Taifun 17 E beim Betrieb und der Wartung aufgezeigt. Besonders interessant war dabei Cornelias kleine Kiste mit „Verschleißteilen“ aus der Valentin Taifun. Ausgeschlagene Bolzenaufnahmen aus der Holmbrücke, gebrochene Bremshebelgestänge oder gar verschlissene Verriegelungsbolzen zeigten deutlich, daß man auch bei der robusten Konstruktion der Taifun das nötige Feingefühl beim Betrieb walten lassen sollte. Aber auch in Bezug auf die Zelle und den Motor gab es bei diesem Programmpunkt wieder viel Wissenswertes zu erfahren. Über Neuerungen sowie Modifikationen wurde ebenfalls am Flugzeug gesprochen. Dabei ist zu konstatieren, daß seitens des Musterbetreuers Korff Luftfahrt viel unternommen wird, damit unsere alten „Ladies“ auch in den nächsten Jahren lufttüchtig bleiben. Dafür einen herzlichen Dank an dieser Stelle an Cornelia und Rainer Korff!
bild
bild
Gruppenfoto von allen Teilnehmer

bild
bild
Abendessen im Landgasthaus Koch in Calden
Nach diesem breit gefächerten Vortragsangebot sollte dann – aufgrund der Informationsfluten leicht verspätet – gegen frühen Abend zum geselligen Teil des Treffens übergegangen werden. Zum Abendessen traf sich der harte Taifunfreundekern im Landgasthaus Koch in Calden. In geselliger Runde nutzten viele die Möglichkeit nochmals über die Informationen aus den Vorträgen zu diskutieren und neue Aspekte zu vertiefen. Auch hier gilt: Bilder sagen mehr als Worte!
bild
bild
Abendessen im Landgasthaus Koch in Calden
Am Sonntagmorgen trafen sich die Teilnehmer gegen 10 Uhr zum Abschlußbriefing im Terminal des Flughafen KASSEL-CALDEN und warteten anschließend gemeinsam auf fliegbares Wetter. Gegen Mittag beschloß Petrus, doch wieder ein Taifunfreund zu sein und so konnten sich die ersten Flugzeuge in die Luft begeben um heimwärts zu fliegen. Einige nutzten die verbleibende Wartezeit, um noch etwas am Flugzeug zu fachsimpeln oder über die Vorträge am Vortag zu diskutieren.
bild
bild
nochmal Technik
Ein erfolgreiches, leider durch schlechtes Wetter geprägtes Taifuntreffen ging zu Ende. Wie meinte Manfred doch passend vor seinem Abflug: „ Es war nicht das Treffen mit dem besten Wetter, jedoch das Informativste!“.
Schließen möchte ich den Bericht mit der Danksagung an alle Vortragenden, die uns an Ihrem Fachwissen teilhaben ließen,

  • die Flughafen KASSEL-CALDEN GmbH für die freundliche Aufnahme und Unterstützung
  • die Fallschirmspringer Kassel für Bewirtung und Campingmöglichkeit
  • und natürlich alle Teilnehmer, die bei nicht bestem Wetter den Weg nach CALDEN gefunden haben!
  • Unser Taifunfreund Jonathan Mytnik reiste sogar aus Chile zu unserem Treffen an. Auch dafür herzlichen Dank!

Das Motto für das nächste Treffen 2012 in „Übersberg-Pfullingen“ auf der Schwäbischen Alb steht auch schon fest!
 
bild
bild
kein Kommentar!
 
bild
bild
alle sind zu frieden
Bis dahin alles Gute!
Text: Arne-Krister
Fotos: Urte, Gunnar, Hans, Manfred