Taifun 17II
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10 Fragen an Michel Mulder

(Interview von Manfred Garben, sept 2011)


1. Seit wann fliegst Du einen Taifun?


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Taifun 17 E I Kennung D-KFIH von Michel Mulder, Baujahr 1985, Werknr. 1057;
Motorisierung: L2400 DF, MT L165-06 prop, Thermostat im Radiator; stationiert
auf Lelystad/NL (EHLE)

Mein erster Flug mit einer Taifun war am 8. November 2008 über Lüsse süd-westlich von Berlin. Es war eine grauenhafte Erfahrung: Der Flieger gehörte einem älteren Paar. Einer netten alten Dame, die eine besondere Beziehung zu ihrem Taifun hatte, aber nicht selber fliegen konnte. Der ältere Herr war der Pilot, mit Lederjacke und humpelnd wegen eines Unfalls einige Jahre zuvor.
Nach dem Vorflugcheck des Fliegers ging es gemeinsam los. Der Motor wurde gestartet und bald darauf schon rollten wir laut ratternd über die unebene Grasbahn zum Startpunkt. Er schien sich am Horizont zu befinden, so groß war der Platz. Nach dem Start – er war der verantwortliche Pilot - begann die eigentliche Show: das mechanische Einfahren des Fahrwerks. In einer Boeing 767, die ich früher geflogen bin, betätigt man einen Schalter - das ist es. Hier sah ich wie der Pilot nach dem Abheben etwas zurückschob und danach immer aufgeregter wurde. Ich bot an den Flieger zu übernehmen. Sein Blutdruck stieg zunehmend während er versuchte das Fahrwerk mit Gewalt einzufahren, sodass ich dachte er müsste bald eine gebrochene Kurbel in der Hand halten. Eine Zusammenarbeit von uns beiden war in dem engen Cockpit nicht möglich, er informierte mich zudem nicht darüber was vorging. Nach ungefähr drei Kreisen über dem Platz und einer Vielzahl von Schlägen auf die Kurbel gelang es ihm plötzlich das Fahrwerk zu bewegen. Die Räder waren eingefahren – vermutlich. Seine folgenden wiederholten Checks waren bestimmt nicht im Benutzerhandbuch beschrieben. Ich bemerkte eine weitere Serie von Schlägen auf die Kurbel begleitet von Flüchen. Wir drehten einige weitere Kreise über dem Platz und siehe da, es löste sich etwas und das Fahrwerk fuhr wieder aus. Gedanklich hatte ich mich schon auf eine Bauchlandung auf meinem Jungfernflug mit der Taifun eingestellt: Motor aus, auf Geschwindigkeit achten, Gras, Rutschgeräusche und dann – Stille. Nach einigen weiteren Touch and Go´s schien alles in Ordnung, nicht wissend dass durch die Aktionen meines Piloten-Kollegen die Schließklappen der Haupt-Fahrwerke gebrochen waren. Danach Essen, intensive Verhandlungen und wir einigten uns auf einen Preis. Später wusste ich, dass er viel zu hoch war nach dem was wir später alles an weiteren Mängeln fanden. Ein paar Wochen später fuhr ich nach Berlin, um den Flieger nach Lelystad (EHLE) in Holland zu überführen. Nach allen Checks am Flieger machte ich mich mit dem uralten Navigations-GPS vertraut und hob mit meinem Taifun vom Flugplatz Lüsse ab. Bei der Gelegenheit sagte mir Manfred Garben, der neben mir flog und mich bei dem schwierigen Prozess eines Taifunkaufs mental unterstützt hatte: „Du hast Deine Fahrwerksklappen nicht eingefahren!“ Der Schlitten war in der richtigen Position! Auch als ich ihn vor und zurück fuhr änderte sich nichts. „Warum landest Du nicht noch einmal und checkst die Klappen?“ Ich war froh, dass der Flieger in der Luft war, die Sichten betrugen weniger als 3 Km und ich hatte noch 3,5 Stunden bis Lelystad vor mir. Kurz darauf würde die Sonne untergehen! Der nächste Flug zu Korff im Januar 2009 fand wieder mit offenen Fahrwerksklappen statt. Starker Wind, ab und zu Schneeschauern, Turbulenz. Mein Mitbesitzer Karel entschied sich nach 20minütigem Flug mit seinem neuen Motorsegler sein Frühstück in der Kotztüte zu deponieren. Sie begann zu lecken und ihren trüben Inhalt auf unser Sitzposter zu ergießen! Raus aus dem rechten Fenster damit. Ein höchst amüsanter Anblick als sie im Fahrtwind platzte und den halben Inhalt jeweils im und außerhalb des Fliegers verteilte. Wobei er die Haube verfärbte und sofort fror. Wir hatten Vereisungsbedingungen!

2. Seit wie viel Jahren bist Du der Fliegerei verbunden und wie verlief Deine fliegerische Karriere?


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Die D-KFIH von unten betrachtet

Ich begann mit 21 Jahren zu fliegen (1974 PPL). Während meines Medizinstudiums machte ich meinen ATPL Schein, wurde danach Fliegerarzt und Airline Pilot. PPL:C150, C172, PA28, C185, C130A, C130H , Stemme S10 - ATPL: Saab 340, Fokker 70, Boeing 767

3. Welche Sonderausstattungen, technischen Besonderheiten oder Sonderinstrumentierungen hat Dein Taifun und warum hast Du sie umgesetzt?


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Instrumentenbrett der D-KFIH

• Einen Garmin GNS 430W, für die Navigation auf langen Strecken mit der Möglichkeit bei Bedarf einen ILS Approach machen zu können.
• Einen Thermostaten, um die Motortemperatur besser zu halten sowie Modifikationen an den Kühl-Schlauchbefestigungen nachdem sich Konstruktionsmängel bei einem vergleichbaren Flieger gezeigt hatten.
• Ein größerer Propeller von Mühlbauer (Prop MTV-1A L165-06). Nach der Beschädigung eines elektronischen Bauteils hat mir Mühlbauer geraten den kompletten Propeller zu erneuern. Ich entschied mich für den größeren Propeller. Er bringt eine enorme Verbesserung der Steigleistung und der Fluggeschwindigkeit in größeren Höhen: EGMC-EGPT 640km, FL120, max. GS 315km/h , Flugzeit 02:24h 33 Liter MOGAS. Ich hatte auf dem Flug nach Schottland ein bisschen Rückenwind.

4. Welche technischen Neuerungen würdest Du an Deinem Taifun gerne noch vornehmen?


Die Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichtes zur Verbesserung der Zuladung (wegen Farbanstrich, Wasser im GFK und Zusatzinstrumente, etc.).

5. Gibt es Dinge, die mit dem Taifun grundsätzliche Probleme bereiten bzw. was sollte weiter verbessert werden?

Eine bessere Langfristperspektive, um die Wartung sicherzustellen. Wenn etwas kaputt geht, erfordert die Reparatur oft Monate. Das ist zu lang!

6. Welche Erfahrungen hast Du bei der Wartung Deines Taifun gemacht, die auch für andere Piloten wichtig sind?


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D-KFIH

Die Wartung ist (zu) teuer. Wir haben ungefähr 25.000 € in den letzten 2 Jahren ausgegeben für:
• die Reparatur der falschen Montage des Fahrwerks durch den Vorbesitzer nach einem Unfall,
• die Verbesserung der Instrumentierung
• den Neuanstrich der Flügel
• ein neues Hauptfahrwerk (da für das alte Fahrwerk keine Ersatzteile mehr verfügbar)
• neuen Propeller
• neue Kühlschläuche.

7. Was sind Deine bevorzugten Flugziele, die Du auch anderen Piloten empfehlen kannst?

Schottland, Pyrenäen, Schweiz (Alpen)
Mein schönster Flug: Ausschalten des Motors über dem Matterhorn und Segelflug bis zum Genfer See.

8. Schaust Du öfter mal auf die Taifunwebsite? Was sollten wir verbessern?

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Der Schrauber am werkeln

Wir haben darüber schon seit längerem gesprochen: wir brauchen unbedingt eine Zusatz-Seite zum Anbieten und zu Verkauf von Taifunfliegern und Ersatzteilen (das sollte nicht schwierig sein!) Ich denke die Website ist mindestens so wichtig wie die Arbeit von Korff, um den Flieger in der Luft zu halten. Ernsthaft: Ersatzteile werden knapp und Neuanfertigungen schwieriger (das Wissen darüber schwindet). Wenn wir es schaffen, alles als Gemeinschaft von Taifunfliegern auf dem Laufenden zu halten, können wir die alte Lady noch viele Jahre zu erschwinglichen Kosten in der Luft halten. Der Zusatznutzen besteht darin, dass der Wert des Fliegers bei einem Verkauf erhalten bleibt.
Eine Überlegung: es gibt etwa 100 noch fliegende Taifuns in der Welt. Sie brauchen alle Ersatzteile. Wir sollten sie in einem (virtuellen) Ersatzteil-Zentrum sammeln und anbieten. Für den Betrieb eines solchen Ersatzteil-Zentrums werden im Jahr schätzungsweise pro Taifunbesitzer 50,00 €, d.h. insgesamt 5.000,00 € benötigt.

9. Könntest Du Dir eine stärkere Mitwirkung an der Website vorstellen und wie könnte die aussehen?

Ich steuere auch weiterhin gerne Artikel, Fotos und Übersetzungen bei.

10. Was sollten wir tun, um den Zusammenhalt in der „Taifungemeinde“ weiter zu vertiefen?

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Wo will sie hin :-)

Wir sollten eine technische Kommission bestehend aus Korff + Limbach + MT und uns Eigentümern bilden. Soweit ich weiß, gibt es bei Limbach nur noch wenige Personen, die sich wirklich auskennen, die Ersatzteilbestellung ist zeitaufwendig und oftmals fehlerhaft. Auch MT braucht lange Zeit, um neue Teile zu fertigen, alte Propeller zu reparieren oder neue Propeller bereitzustellen (meine Erfahrung: 4 Monate!) Das A-Team sollte aus Experten bestehen, das bei Bedarf zur Verfügung steht und nötige Arbeiten an unseren Taifun durchführen kann.