Taifun 17II
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Notruf via Satellit bald nur noch über 406 MHz

Aber die 121,5 MHz kann auch weiterhin Leben retten

Text: Niklaus Wächter*; neu von Klaus


Ab dem 1.Februar.2009 reagiert kein Satellit mehr auf Alarmsignale, die auf den Frequenzen 121,5 MHz und 243 MHz ausgestrahlt werden. Wer seine Rettung auslösen will, bevor er vermisst wird, braucht künftig ein ELT, das auf 406 MHz sendet.
38 Jahre sind es her, seit zwei US Kongressabgeordnete in Alaska mit ihrem Flugzeug verschwanden. Und nie mehr zum Vorschein kamen. Als Reaktion darauf wurden Emergency Locator Transmitter (ELT) eingeführt, die bei einem Aufschlag oder bei Kontakt mit Wasser automatische Peilsignale auf der internationalen Notfrequenz des Flugverkehrs, also 121,50 MHz ausstrahlten. Als militärisches Pendant zu dieser zivilen Notruf-Frequenz wurde die Frequenz 243 MHz bestimmt. Dies in der Absicht, dass zufällig vorbeifliegende Flugzeuge die Notsignale auffangen und einer geeigneten Bodenstation weitermelden. Und damit die Retter ein verunglücktes Luftfahrzeug mit Peilgeräten ohne Zeitverlust orten können.
Inzwischen haben sich die Mängel dieses Systems summiert. Einerseits gibt es keine Vorschrift für Besatzungen von Verkehrsflugzeugen, dauernd die Notfrequenz abzuhören. Anderseits ist eine solche Dauerverpflichtung angesichts der zahlreichen Fehlalarme auch keiner Besatzung zumutbar. Denn unliebsame Erfahrungen haben gezeigt, dass auch elektronische Alltagsgeräte, die überhaupt nichts mit der Fliegerei zu tun haben, Notrufe auf der Flugfrequenz auslösen. Der Prozentsatz an Fehlalarmen wird auf nahezu 100 Prozent geschätzt.
Wer wirklich Hilfe benötigte, konnte bis vor wenigen Jahren nur darauf hoffen, dass sein Notsignal von einem zufällig vorbei fliegenden Luftfahrzeug mit zufällig aktivierter Notfrequenz aufgefangen wurde. Bloss: Eine örtliche Bestimmung der Herkunft eines empfangenen Notsignals kann eine Besatzung auch heute nicht liefern. Sie kann bloss einer Bodenstation melden, dass in einer bestimmten Region ein Notsignal empfangen wurde.
Satellitentechnologie hat sich bewährt
Aufgrund der Schwachstellen dieses Notruf-Systems, begannen Spezialisten Anfangs der 80er Jahre damit, das Cospas/Sarsat Satelliten-System (http://www.cospas-sarsat.org) zu entwickeln. Es ist auf den Empfang von Notrufen auf der neuen internationalen Notruffrequenz 406 MHz ausgerichtet. Neben geostationären Satelliten umfasst das System auch Satelliten in wechselnden Umlaufbahnen. Deren Rotationen gewährleisten, dass ein Notruf nach spätestens vier Stunden von einem Satellit registriert wird. Modernste Technologie ermöglicht eine auf eine bis drei Seemeilen exakte Bestimmung der Position des Notrufsenders, sofern dieser nicht auch gleich seine Position zum Satelliten funkt. Die Daten werden vom Satelliten gespeichert und bei nächster Gelegenheit einer Bodenstelle weitergegeben. Weil beim Kauf eines 406 MHz-Notsender bestimmte Daten registriert werden, weiss die Bodenstelle sogleich, von welchem Flugzeug oder Schiff der Notruf stammt. Sie kann auf nützliche Daten über das Flugzeug oder Schiff zurückgreifen und dabei unter anderem effizient abklären, ob es sich allenfalls um einen Fehlalarm handelt.
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Die Funktionsweise des satellitengestützte 406 MHz - Notrufsystem.
Acht Jahre lang wurde das satellitengestützte 406 MHz - Notrufsystem in der Praxis getestet.
Das Ergebnis: Kaum Fehlalarme und viele erfolgreiche Rettungen.
Die Folge: Für gewerbsmässig operierende Luftfahrzeuge sind die 406 MHz-ELT`s in der Schweiz bereits seit Beginn 2005 Pflicht.
Der Nebeneffekt: Auch die konventionellen Notruf-Frequenzen 121.5 und 243 MHz werden seit der Testphase von den Satelliten abgedeckt. Allerdings mit markanten technischen Einschränkungen: Die örtliche Definition, woher das Notsignal kommt, umfasst einen Kreis von rund zehn Seemeilen – also fast 20 km. Und weil Satelliten Signale auf den konventionellen Frequenzen nicht speichern können, müssen sie beim Empfang eines Notrufs gleichzeitig Kontakt mit einer der weltweit gegen 50 Bodenstationen haben, um den Notruf weiterleiten zu können. Wegen der zahlreichen Fehlalarme warten die Rettungsstationen erst mal eine Bestätigung des Notsignals durch einen weiteren Satelliten oder durch eine andere Informationsquelle ab, bevor eine Rettungsaktion ausgelöst wird. Insgesamt also ein löcheriger Satelliten-Service. Der nun per September 2009 definitiv aufgegeben wird.
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ELT - Artex ME406 - (Preis etwa €700,-)
Für die Halter von nicht gewerbsmässig operierenden Luftfahrzeugen heisst dies konkret: Wer im Falle eines Unfalles Wert darauf legt, dass nach spätestens vier Stunden eine Rettungsaktion ausgelöst wird, sollte sich baldmöglichst ein 406 MHz-Gerät anschaffen und von einem lizenzierten Fachbetrieb einbauen lassen. Wer vor jedem Flug seine Flugabsichten bekannt gibt und auch daran festhält, ist auch nach der Inaktivierung der Satellitendienste nicht schlechter dran als heute. Sobald ein Luftfahrzeug überfällig ist, wird es zuerst einmal von Helis und Flugzeugen gesucht. Und die werden auch in Zukunft Notsignale auf 121.5 MHz empfangen und den Herkunftsort des Signals orten können. Mit etwas Glück wird ein 121,5 MHz-Notsignal sogar schneller entdeckt, als ein 406 MHz-Signal, das stundenlang in einen satellitenlosen Himmel funkt.
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ELT- ACK E-01 - (Preis etwa €348,-)
Für manche Flugzeughalter dürfte es letztlich eine Preisfrage sein: Während es heute 121 MHz-Elt`s ab 215 $ gibt, muss man für ein 406 MHz-Elt mindestens dreimal so viel hinblättern. Dafür sendet so ein Gerät sowohl auf 406 MHz zur Alarmierung, als auch auf 121.5 MHz zur Feinortung. Die 406 MHz Notsender gibt für etwas weniger Geld auch als 378 Gramm leichte „Handys“.



* Niklaus Wächter ist Fotograf und Aviatikjournalist und schreibt auch für die Schweizer Tagespresse. Er ist zufriedener Besitzer einer Taifun 17 E II.