Taifun 17II
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Flug nach Budweis

Flug mit dem Motorsegler nach Budweis

Text: Christian Müssemeyer,
Bilder: Miquel Rubia


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Die Teilnehmer, v.l.n.r. Waltraud Kohlmetz, Elly Dumont,
Uwe Wirtz, Joachim Kohlmetz, Christian Müssemeyer, Henk Dumont und Hans Wirtz.
Nicht darauf weil er das Bild machte ist Miguel Rubia.
Bildershow: Flug mit dem Motorsegler nach Budweis (2005)

Am Wochenende des 02./03.04.2005 flogen vier Piloten des Aeroclub 77, und zwar Christian Müssemeyer und Miguel Rubia mit der Katana D-EZIC sowie Hans und Uwe Wirtz mit der G-109b D-KEOI vom Flugplatz Mönchengladbach zuerst nach Karlsbad und anschließend nach Budweis. Mit dabei waren der fliegende Holländer Henk Dumont mit seiner Frau Elli (D-KFDI) und Joachim Kohlmetz mit seiner Frau Waltraud (D-KHNO), jeweils mit einem Motorsegler vom Typ Valentin Taifun.
Hier der Bericht von Christian Müssemeyer:

Vor drei Jahren war ich schon einmal in Karlsbad und auch in Budweis. Schon damals hatte mich vor allem die Stadt Budweis sehr fasziniert, da hier eine völlig intakte, mittelalterliche Stadt, die inzwischen sehr gut restauriert worden ist, vorhanden ist.
Nachdem sich das rassige Hoch Leila über Osteuropa fest verankert hatte, war klar, dass am Wochenende vom 02./03.04.2005 sehr gutes Flugwetter sein würde. Diese Wetterlage musste ausgenutzt werden, um den schon lange geplanten Flug nach Karlsbad und Budweis durchzuführen. Wir starteten um 10.00 Uhr in Mönchen-gladbach in einer Viererformation, wobei ich für alle vier Flugzeuge einen einzigen Flugplan aufgegeben hatte und auch den Funk allein für alle machte. Dieses erleichtert die Aufgaben für die mitfliegenden Piloten sehr, diese brauchen nur hinter der ersten Maschine herzufliegen und müssen zuhören, was im Funk gesagt wird. Außerdem konnten so alle 4 Maschinen mit eigenem Sicherheitsabstand gleichzeitig starten, keiner braucht auf den anderen zu warten und es verkürzt die Startzeit bei mehreren Flugzeugen.
Nach dem Start auf der Startbahn13 konnten wir die Kontrollzone in Startrichtung der 13 in Höhe der Neusser Skihalle verlassen. Als wir außerhalb der Kontrollzone waren, schalteten wir auf eine zuvor vereinbarte „Quatschfrequenz“ und überflogen zunächst den Rhein in etwa 2.000 ft Höhe, um dann über Langenfeld in das Bergische Land zu fliegen. Unser erster Zielpunkt war das VOR (Funkfeuer) Arpe, südwestlich von Bad Berleburg. Wir überflogen zunächst das Bergische Land mit seinen vielen Stauseen, dann das gesamte Sauerland, überquerten die A 45 bei Olpe, flogen am Biggesee und an Attendorn vorbei, vor uns war das VOR Arpe, rechts von uns tauchte die Sackpfeife, der höchste Berg im südlichen Sauerland, auf.
Nachdem wir das VOR Arpe passiert hatten, flogen wir wie ein Pfeil schnurstracks Richtung Karlsbad, was jetzt Karlovy Vary heißt. Hier konnte Miguel die Kunst des Geradeausfliegens trainieren, er wich nicht einen Millimeter vom vorgegebenen Kurs ab. Wir stiegen auf 5.500 ft, weil wir hier in einer ruhigen Luftmasse (Inversion) flogen, in der keinerlei Turbulenzen herrschten. Nach Arpe tauchte rechts Marburg auf, dahinter konnte man Amöneburg sehen, einen kleinen Ort, der auf einem Felsen gebaut ist. Links von uns war Bad Hersfeld, sodann kam der Thüringer Wald, hier lag teilweise noch Schnee auf den Bergkuppen. Vor uns lag Suhl, der Flugplatz auf dem unser Karl-Heinz schon gelandet ist, während ich noch nie da war. (Dafür war ich schon mal in Dinslaken, ätsch!) Auf der linken Seite glitzerten in der Morgensonne die Talsperren Hohenwarte sowie die Bleichlochtalsperre. Wir flogen nördlich an Hof und südlich an Plauen vorbei und waren nicht mehr weit von der Grenze nach Tschechien entfernt.
Ich meldete mich bei Langen-Information, die mich an die Radarfrequenz des Flugplatzes Karlovy Vary weiterreichten. Wir mussten nunmehr unsere Reise-flughöhe von € 5.500 ft verlassen und machten einen Direktanflug auf die Landebahn 11. Nach einem rassigen Anflug flogen wir südlich am Ortsrand von Karlsbad, das westlich der Startbahn vom Flughafen in einem Tal etwa 220 m tiefer liegt, vorbei und konnten den gesamten Ort mit seinen Kirchen, den Hotels und der Fußgängerpromenade entlang der Eger, deutlich erkennen. Wir landeten elegant auf der mehr als 2.000 m langen Landebahn in Karlovy Vary.
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Das Rathaus von Budweis.

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Der Turm am Flugplatz von Karlovy Vary.
Nach dem Ausrollen tankten wir sofort auf, weil wir nachher, vor dem Start nach Hosin, keine Zeit mehr verlieren wollten. Die Landegebühren in Karlovy Vary waren deftig (860 Kronen, ca. 28,66 Euro). Das Bezahlen der Landegebühren und auch des Sprits war zeitraubend, da alles in einen Computer eingegeben werden musste, der mehrfach abstürzte, so verloren wir wertvolle Zeit für Karlsbad.
Wir ließen uns von zwei Taxen abholen, die uns direkt in die Fußgängerzone von Karlsbad brachten und vereinbarten mit den Taxifahrern, uns um 16.00 Uhr wieder abzuholen. Die Zeit nutzten wir, entlang der Eger zu promenieren und uns die sehr schön restaurierte, mit vielen Blumen geschmückte Bäderstadt, anzuschauen. Unser Mittagessen nahmen wir direkt an einem an der Eger gelegenen Restaurant ein. Die Qualität des Essens war hervorragend, die Preise ungefähr halb so hoch wie bei uns. Der ganze Ort war mit Blumen geschmückt und es vermittelte einem das Gefühl von Frühling. Bei unserem Rundgang sahen wir auch das berühmte Hotel Pupp, von dem Rolf Bienert immer erzählt, dass es dort früher immer so vornehm zuging und dass alles so ordentlich war.
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Nach dem auftanken, auf dem Flugplatz von Karlovy Vary
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Eine der vielen Terrassen entlang der Eger.
Gegen 16.00 Uhr fuhren wir mit den beiden Taxen wieder zurück zum Flugplatz und bereiteten uns auf den Abflug nach Hosin, einem Flugplatz nördlich von Budweis, vor. Der Start auf der 2.000 m langen Bahn erfolgte wieder in einer Formation, wir konnten nach dem Start nach rechts abdrehen und flogen dann mit Kurs auf Hosin.
Hier überfliegt man eine schöne, liebliche Landschaft, in der es viele kleine Dörfer, Seen und kleine Wälder gibt. Wir flogen an Pilsen vorbei und mussten dann allerdings unseren Kurs ändern, weil man um ein Atomkraftwerk ein größeres Sperrgebiet gelegt hat. So flogen wir nach Strakonce und mussten tiefer gehen, weil wir nur noch 1.000 ft über Grund fliegen durften. Dieses hatte für uns natürlich den Vorteil, dass wir die Landschaft noch besser erkennen konnten, hier gibt es viele Schlösser und Burgen, man fühlt sich in eine Märchenwelt versetzt.
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Schöne alte Häuser entlang der Eger.
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Und natürlich auch auf die andere Seite.
Wir versuchten mehrfach, den Flugplatz Hosin über Funk zu erreichen, es antwortete jedoch niemand. Darauf hin flogen wir in die Platzrunde von Hosin und meldeten uns noch einmal. Erst jetzt bekamen wir Funkkontakt, worauf uns gesagt wurde, dass die Landebahn 06 in Betrieb sei. Trotz des starken Seitenwindes landeten wir alle elegant und sicher. Nachdem wir im Flughafenrestaurant als Begrüßung erst einmal ein schönes Bier getrunken haben, kamen zwei Taxen, die uns direkt in das Zentrum von Budweis, dem Markplatz, brachten. Die Taxifahrerinnen hatten ein schönes Hotel für uns ausgesucht, was total renoviert war und wo wir zu einem Preis von € 51,00 für ein Zweibettzimmer inklusiv Frühstück, unterkamen. Erwähnen möchte ich hier, dass das Personal ausgesprochen nett und höflich war, wir fühlten uns sehr wohl in diesem Hotel.
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Der Flugplatz von Hosin. "Hallo, hallo, ist jemand zu Hause ???".
Budweis ist eine sehr interessante Stadt, sie wurde 1263 auf Anordnung des Königs Otakar II am Zusammenfluss der Flüsse Moldau und Maltsch gegründet und war immer eine Königs- und Handelsstadt. Nachdem man den Bürgern der Stadt Budweis das Recht gegeben hatte, eigenes Bier zu brauen, gab es einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, das Budweiser Bier ist heute in der ganzen Welt als eines der besten Biere bekannt. Der 100 m x 100 m ( =1 Hektar) große Marktplatz ist das Zentrum der Stadt mit einem riesigen alten Brunnen. Umgeben ist der Marktplatz von Arkaden, mit vielen Geschäften und Restaurants, im Sommer stehen Stühle und Tische draußen, es ist eine schöne Atmosphäre vor allem auch deshalb, weil eine Seite des Platzes immer von der Sonne beschienen wird, morgens wenn die Sonne aufgeht, die Westseite und abends die östliche Seite mit dem Hotel Zwan (Schwan).
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Ein Teil der Marktplatz von Budweis.

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Das sahen wir als wir vor das Hotel standen.
In unserem Hotel haben wir abends sehr gut zu Abend gegessen und das leckere Bier genossen. Der einzige, der sichtbar leiden musste, war unser Holländer Henk Dumont, weil es keine Fritten mit Schokostreuseln gab. Da er jedoch ein harter Bursche ist und für einen kurzen Zeitraum auf seine geliebten Schokostreusel verzichten kann, hat er auch diesen Abend überlebt. Wir hatten viel Spaß an diesem Abend mit Henk und seinen Schokostreuseln!

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Eine Ansichtskarte vom Hotel selber.
Wenn Sie auf diesen Link klicken, werden Sie gleich zur Seite des Hotels weiter geführt.
Das Hotel hat ihre Homepage auch in Deutsch zur Verfügung gestellt.
Für den nächsten Morgen hatten wir die beiden Taxen für 10.00 Uhr bestellt, sie waren pünktlich da. Am Flugplatz gab ich als erstes einen Flugplan auf, wir wollten von Hosin nach Vilshofen fliegen. Es war schwierig, die richtige Telefonnummer herauszubekommen, doch gelang mir dieses nach mehreren Anrufen, ich gab telefonisch einen Flugplan für unsere 4 Flugzeuge auf.
In Hosin starteten wir wieder in unserer bewährten Viererformation und flogen dann Richtung Westen zu einem kleinen Ort namens Strazny. Diesen Ort mussten wir wählen, weil immer ein Ort, an dem die Grenze überflogen wird, angegeben werden muss. Wichtig dabei ist, dass es ein tschechischer Ort sein muss, ansonsten wird der Flugplan nicht akzeptiert. Da wir ohnehin ein Sperrgebiet umfliegen mussten, kam uns dieser Ort sehr recht. Wir mussten auf insgesamt 5.000 ft steigen, um die vor uns liegenden Berge des bayerischen Waldes zu überfliegen. Nachdem wir diese passiert hatten, konnten wir mit dem Sinkflug auf Vilshofen beginnen. Da wir von Osten her anflogen, konnten wir den Flugplatz von Vilshofen, der direkt an der Ostseite der Donau liegt, nicht sehen, weil ein Bergrücken die Sicht versperrt. Wir konnten jedoch deutlich die Türme eines Kraftwerkes nördlich des Flugplatzes und teilweise auch die Donau erkennen, das erleichterte die Orientierung.
Vilshofen lag in gleißendem Sonnenschein. Da ich den Anflug zu hoch angesetzt hatte, musste ich noch eine Platzrunde um die Stadt Vilshofen herumfliegen, dieses habe ich nicht bereut, weil ich auf diese Art und Weise Vilshofen sehr schön von oben sehen konnte.
Nachdem wir alle in Vilshofen gelandet waren, erfolgte eine kurze Kontrolle der Ausweise. Dieses wird hier äußerst locker gehandhabt, es werden nur die Nummern des Personalausweises in ein Formblatt eingetragen, dieses wird alles vom Flugleiter erledigt, ohne dass man weiteres Personal wie Bundesgrenzschutz oder Zoll usw. braucht. Hieran könnte Mönchengladbach sich ein Beispiel nehmen.
An diesem Flugplatz herrschte - im Gegensatz zu Mönchengladbach - reger Flugbe-trieb, es starteten und landeten ständig Flugzeuge. Viele Besucher waren bei dem schönen Wetter im Restaurant und auf der Terrasse davor, es war so voll, dass wir Schwierigkeiten hatten, einen Platz zu finden. Neben der Startbahn fließt die Donau, auf der ständig Schiffe fahren, es gibt viel zu sehen.
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Es gibt auch einen Luftsportverein am Flugplatz Vilshofen.
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Die Kirche von Vilshofen an die andere Seite der Donau.
In Vilshofen planten wir den Weiterflug, wir wollten auf jeden Fall in Koblenz landen, um dort zu tanken, weil es in Mönchengladbach kein Mogas gibt. Henk wollte wieder mit uns fliegen, Joachim Kohlmetz und seine Frau Waltraud verabschiedeten sich von uns, weil sie direkt zurück nach Lingen flogen.
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Verabschiedung in Vilshofen.
Wir starteten wieder in unserer bewährten Viererformation, flogen zuerst entlang der Donau, anschließend wollten wir zum VOR ALB fliegen. Hier erlebte ich eine böse Überraschung, die jedoch dank der Mithilfe von Uwe Wirtz geklärt werden konnte. Ich hatte in das Trimble 1000 GPS der Katana das VOR ALB eingegeben und bekam den Kurs 219° angezeigt. Uwe meldete sich und fragte, welchen Kurs ich denn fliege und ich sagte ihm: 219°. Darauf hin sagte er, sein Kurs im GPS betrage 293°. Ich habe dann den Flugplatz Straubing, der neben dem VOR ALB liegt, als nächsten Zielflughafen eingegeben und siehe da: der Kurs betrug nun 295°. Bei Überprüfung des VOR ALB stellte sich heraus, dass hier das VOR von Albenga, das liegt in Italien, eingegeben worden war. Miguel und ich hätten uns sehr wahrscheinlich gewundert, wenn wir stur dieses VOR angeflogen hätten und nach der Landung nur italienisch gehört hätten. Das wäre vor allem Miguel sehr spanisch vorgekommen.
Hier zeigte sich der Vorteil, wenn man mit mehreren Flugzeugen fliegt und jeder aufpasst, so können Fehler schnell erkannt und korrigiert werden. Wir stiegen wieder auf eine Flughöhe von 6.500 ft, weil es hier in der Inversionsschicht total ruhig war. Nunmehr hatten wir auch guten Rückenwind, der uns nach Hause schob. Rechts von uns hatten wir eine gute Leitlinie, die Donau, die wir bei Regensburg überflogen. Von Norden floss die Naab in die Donau, der Main-Donau-Kanal war deutlich zu erkennen. Unser nächste Zielpunkt war das VOR Ried, südlich von Darmstadt, hier mussten wir unsere stolze Flughöhe von 6.500 ft aufgeben und auf 3.500 ft heruntertauchen, weil hier der Luftraum Charly vom Frankfurter Flughafen beginnt.
Wir flogen über das VOR RIED und sahen schon von weitem unseren geliebten Rhein. Nachdem wir weit genug nach Westen um den Luftraum Charly geflogen waren, konnten wir direkt Kurs auf Koblenz nehmen. Hier verabschiedeten sich Henk und Ellie im Funk und flogen direkt nach Geilenkirchen. Miguel und ich überflogen das Binger Loch, der Rhein floss immer links von uns, wir brauchten noch zwanzig Minuten bis nach Koblenz, dessen Fernsehturm schon von weitem zu sehen war.
In Koblenz landeten wir, tankten auf, tranken Kaffee, aßen Eis und flogen anschließend nach Mönchengladbach zurück. Hier trafen wir Hans und Uwe Witz, die zuvor in Mainz-Finten, gelandet waren, um dort aufzutanken, wieder. Wir haben einen sehr schönen Flug gehabt, den wir sicherlich nochmals wiederholen werden, denn Budweis ist eine Stadt, die sehenswert ist und nur 3 ½ Flugstunden von Mönchengladbach entfernt liegt.



Christian Müssemeyer